Chamäleon gefasst und vergoldet

Fassmalen und Vergolden

Ich durfte mal ins Thema Fassmalen reinschnuppern und an der Oberfläche kratzen, besser gesagt polieren.

Was ist das?

Ein Fassmaler ist die Bezeichnung für einen Handwerker, der die Fassung, das heißt die Bemalung und Vergoldung von Holzplastiken vornimmt und den Schnitzarbeiten damit erst ihr endgültiges Aussehen verleiht. Vergolder und Fassmaler sind heute zwei unterschiedliche Berufe, die viel gemeinsam haben. Beide vervollständigen die Arbeiten der Bildhauer und Schnitzer mit dem Farbauftrag.

Im Rahmen meiner Holzbildhauer Ausbildung hatte ich im Abschlussjahr die Gelegenheit für 4 Wochen diese beiden Berufsfelder zu entdecken. Eine mühsame und zeitintensive Prozedur mit unguten Gerüchen… warmer Knochenleim.

Fassmalen. Was macht man da?

Vorweg: das ist keine allzu ausführliche Beschreibung, nur ein Einblick, den ich, mit Hilfe der Unterlagen aus dem Kurs, teilen möchte. Oder einfach für mich selbst verinnerlichen. Ohne fachliche Begleitung und Know-How hätte ich mir, nur anhand der Beschreibung, sehr schwer getan.

Vorbereitung Das Holz der zu fassenden und/oder vergoldenden Gegenstände, oder wie in meinem Fall, meines Brettchens, muss gründlich ausgetrocknet sein, Risse ausgebessert und Schmutz und Staub entfernt werden.

Die erste Arbeit ist das Überstreichen des ganzen Gegenstandes mit warmen Leimwasser. Verwendet haben wir elastischen Knochenleim. Es werden 160 Gramm Leim in einem Liter destilliertem Wasser eingeweicht und eine Nacht lang zum Aufquellen stehengelassen. Dann wird das ganze in einem Wasserbad erhitzt. Den jetzt flüssigen Leim lässt man durch ein Sieb gehen um ihn zu reinigen. Das Leimtränken sollte ziemlich schnell geschehen. Als Regel gilt, dass die Leimtränkung nicht direkt glänzend stehen bleiben aber auch nicht ganz matt einschlagen, sondern einen gewissen seidenartigen Halbglanz erzeugen soll.

 

Vorbereitung des Steingrundes.

Als Steinkreide bezeichnet man den pulverisierten weichen Kalkstein aus Alpenländischen Gesteinsformationen. Die Steinkreide wird ebenfalls in destilliertem Wasser eingeweicht, sie muss ganz von Wasser bedeckt sein. Dann lässt man die über Nacht stehen, gießt das oben stehende Wasser ab, rührt gut um und leimt die Masse. 160 Gramm Leim in ein Liter Wasser.

Der Steingrund wird zweimal aufgetragen. Der erste Auftrag soll möglichst in heißem Zustand geschehen, damit er sich gut mit dem Untergrund verbindet. Nach jedem Auftrag muss der Grund gut durchtrocknen. Die Steingründe werden nicht gestrichen sondern mir dem Stupfpinsel gestupft.

 

Der Weißgrund 

2/3 Champagnerkreide und 1/3 Bologneser Kreide

Die Champagnerkreide stammt aus der Gegend um Reims. Die Kreide in der Champagne besteht aus amorphen Kalziumkarbonat. Bologneser Kreide ist eigentlich keine Kreide sondern ein Gips, der einer speziellen Behandlung unterzogen wurde.

Verwendet werden zwei Drittel Champagnerkreide und ein Drittel Bologneser Kreide. Dieses Gemisch siebt man in warmes Leimwasser (160 Gramm Leim in ein Liter Wasser) und lässt es einziehen. Man gibt immer wieder frische Kreide nach bis nichts mehr einsinkt. Erst dann umrühren, ruhig und stets bis zum Boden greifend. Der fertige Weißgrund muss möglichst dick sein. Die so geleimte Kreide wird nochmals durchgesiebt (Seidentuch oder Feinsieb) damit keine unverrührten Knollen darin bleiben. Der Grund muss dabei immer im warmen Wasserbad warmgehalten werden.

Jetzt lässt man ihn einige Stunden stehen und ruhen bevor man ihn verwendet.

Der Weißgrund soll gerade so arm sein, dass er sich noch auftragen lässt. Er wird dreimal angerieben und zweimal flüssig aufgetragen. Grundsätzlich muss in der Reihenfolge der Aufträge der Leimanteil im Grund schwächer werden. Da beim Erwärmen des Grundes Wasser aus diesem verdunstet, kann dieses in kleinen Mengen ersetzt werden. Die einzelnen Gründe müssen jeweils gut durchtrocknen.

Ist die letzte Schicht durch getrocknet beginnt…

Das Schleifen.

Die Aufgetragenen Gründe werden mit groben und feinem Schmirgelpapier geschliffen. Schön dran bleiben und der Form den richtigen Schliff verleihen.

In meiner Arbeit habe ich nach dem schleifen der Fläche, die Form meines Chamäleons schichtweise aufgetragen, um nach dem trocknen wieder zu schleifen.

Das Löschen des Kreidegrunds
Mit „Löschen“ wird das Überstreichen des geschliffenen Grundes mit Leimwasser (70 Gramm Leim in ein Liter Wasser) bezeichnet. Trocken lassen.

Nach diesem Arbeitsschritt kann gefasst und vergoldet werden.

 

Bemalen oder Marmorieren.

Wir haben die Farben aus reinen Pigmenten mit etwas Wasser und Leimwasser in Marmeladengläsern angerührt. Die Farbe muss natürlich aufgrund des Leimwassers im Wasserbad stehen. Das Bemalen geht dann wie gewohnt. Ersteinmal Grundiert und von Schicht zu Schicht von Hintern nach Vorn. Getupft oder gepinselt.

 

Und jetzt? Vergolden.

Was für eine verrückte Sache das doch ist. Der Umgang mit Blattgold hat mir viel Spaß gemacht und war eine ganz neue Erfahrung von diesem leichten und flüchtigen Material.

Das Poliment ist der hauptsächliche Untergrund für das, auf Schnitzereien, aufzutragende Gold, das sonst nicht haften würde. Es ist ein feiner, aufwendig vorbereiteter und geleimter Ton, meistens rot, gelb oder graublau. Aufgrund seiner Fettigkeit und der Saugwirkung haftet Blattgold fest auf dem Untergrund. Dieser Ton wurde schon seit dem Mittelalter verwendet und wird noch heute benutzt. Das Poliment kann man entweder fertig gerieben in Dosen oder ungerieben in Hütchenform kaufen.

Leimen und Auftragen des Poliments.

Das geriebene Poliment wird mit warmen Leimwasser (70 Gramm Leim in ein Liter Wasser) angerührt. Es soll vom Pinsel wie bei einer Leimfarbe in einem Strahl herunterlaufen.

Auftragen nur da wo vergoldet werden soll.

Zum Auftragen bedient man sich sogenannte Fischpinsel, deren Größe dem zu bearbeiteten Gegenstand angepasst werden. Der Auftrag soll dünn und gleichmäßig geschehen. Bei Gold wird zweimal gelbes und zweimal rotes Poliment aufgetragen, bei Silber zweimal graues und zweimal schwarzes Poliment. Die richtige Leimstärke des Poliments ist von entscheidender Bedeutung. Man erkennt sie am besten beim Überstreichen mit Goldnetze. Zieht diese schnell in das Poliment ein und macht vorher glatten und glänzenden Grund rau, so ist zu wenig Leim im Poliment. Der Leimanteil soll auch hier wieder vom ersten bis zum vierten Auftrag abnehmen. Die einzelnen Aufträge müssen jeweils gut durch getrocknet sein. Zum Schluss kann man das Ganze mit einer Bürste oder einem Lederlappen abreiben, so dass ein seidenartiger Glanz entsteht.

Die Netze.

Über die Schichten Poliment kommt die Netze. Sie besteht aus einem Teil Spiritus und zwei Teilen destilliertem Wasser oder gleichen Teilen Branntwein oder destilliertem Wasser.

Man trägt sie mit einem sehr weichen, sauberen Haarpinsel auf das Poliment auf, jedoch nicht mehr als man sofort vergolden kann.

Auftrag des Metalls.

Das auf das Vergoldekissen gebracht Blattgold oder Blattsilber wird, nachdem es in geeignete Stücke zerteilt wurde, mit dem Anschiesser auf die noch von der Netze nassgehaltene Stelle gebracht (angeschossen).

Das Polieren.

Sind nach dem Anschiessen etwa drei Stunden vergangen, wird das angeschossene Gold oder Silber mit dem Achat poliert. Um die vergoldeten Teile vor Oxydation zu schützen, überstreicht man sie mit Zaponlack.

Das war‘s schon. Fertig.

Ja, unglaublich aufwendig aber das Ergebnis ist schon ein ganz anderes als einfach nur bemalt.

 

Zusammenfassung

Das hier war mein Probebrettchen. Von Oben nach Unten kann man die einzelnen Schichten nachvollziehen.

Holz
Leimwasser
2x Steingrund gestupft
3x Weißgrund angerieben
2x Weißgrund flüssig aufgetragen
Weißgrund geschliffen
Löschen des Kreidegrunds mit Leimwasser
Erhebungen mit Weißgrund aufgetragen
geschliffen
Bemalung an den nicht zu vergoldeten Stellen
2x gelbes und 2x rotes Poliment
Auftrag der Netze
Auftrag Blattgold
Poliert mit Achat
Zaponlack

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